Ein wenig Bammel hatte ich ja schon vor dem Malkurs, weil ich ja schon so lange kein "richtiges" Aquarell mehr gemalt hatte. Jedenfalls konnte ich es schon mal besser. Naja, meine Sachen habe ich wenigstens noch alle gefunden und nebenbei noch ein paar seltsame Experimente auf meinen Blöcken, die ich schon längst vergessen (verdrängt) hatte.
Mit 17 hatte ich das erste Mal einen Kurs in unserem Kunstzentrum belegt, bei Marie-Claude. Sie ist Französin, spricht mit einem drolligen Akzent und ist so so lieb, ein Schatz. Von ihr habe ich so ziemlich das Meiste gelernt.
1. KURSTAG
Es fängt prima an. Als erstes stelle ich fest, dass ich sowohl ein Wassergefäß als auch einen Lappen vergessen habe.
Dann habe ich endlich das berühmte weiße Blatt vor mir, und nun? Vor mir auf den Tischen sind wunderschöne Blumen und Stillleben aufgebaut. Zartrosa Lilien, sehr hübsch, (zum Glück) nimmt die aber schon eine andere Kursteilnehmerin. Weiße Rosen. Ja, Rosen hatte ich schon (irgendwann) einmal gemalt. Also, die Rosen so hinstellen, dass sie nicht allzu kompliziert zu malen sind. Ich versuche die Rosen mit einem leichten lebendigen Pinselstrich aufs Papier zu bringen. Nein, so ist das nichts, nochmal drüber, da auch, da mehr Schatten. Bis ich halbwegs zufrieden bin, aber leicht und lebendig? Naja! Marie-Claude findets schön, die anderen auch - also erwähne ich die Worte leicht und lebendig lieber nicht.

2. KURSTAG
Heute gehen wir nach draußen zum Malen, an einen Teich. Ich male gar nicht gerne Landschaften, die überfordern mich einfach. Da sind so viele Bäume und die haben alle unglaublich viele Äste und Blätter, von den unglaublich vielen Grashalmen, die so eine Wiese hat, möchte ich lieber gar nicht erst anfangen...Nachdem ich ungefähr fünfmal um den Teich herumgelaufen bin, habe ich endlich einen schönen Platz gefunden.Und es funktioniert erstaunlicherweise richtig gut (vor allem wenn ich an meine bisherigen Versuche, draußen zu malen, denke). Marie-Claude kommt und meint, dass es nichts nütze, wenn ich mich so weit weg setze, sie habe mich ja doch gefunden (Mist, ich hätte mich doch näher an den Strauch setzen sollen). Aber sie hat nichts zu beanstanden, offenbar habe ich gut genug beobachtet.
Nachdem ich mich mit Krümelkuchen vollgestopft habe, ausführlich die anderen Bilder begutachtet habe und noch etwa siebenmal um den Teich herumgelaufen bin setze ich mich nochmal hin und male den Teich von der anderen Seite. Aber nur ein Stück Ufer, für mehr reicht die Zeit nicht mehr. Insgesamt bin ich aber ganz zufrieden mit dem Kurstag.
3. KURSTAG
Wir sind wieder drinnen im Kursraum. Was malen? Nochmal die Lilien versuchen? Ich überlege es mir und räume erst einmal (langsam) den Gaugin weg. Dabei fällt mein Blick auf ein Bild von einem Mädchen mit einem Einhorn. Warum nicht? Ich habe mich gleich in das Motiv verliebt. Und es klappt auch recht gut, ich habe mich wohl wieder etwas eingemalt. Nur das Papier verwende ich zum ersten mal und es bemalt sich sehr bescheiden. Zum Aquarellieren ist es absolut ungeeignet, wenn man mit dem Pinsel mehr als dreimal über eine Stelle fährt, löst es sich förmlich auf. Marie-Claude meint, man sieht es nicht und die Stelle mit dem Schwanz wäre sehr gut gelungen. (Man beachte, am besten kann ich wohl Hinterteile von Einhörnen Malen *grins*)
Insgesamt bin ich aber sehr zufrieden mit dem Bild, bis auf ein paar Kleinigkeiten, aber das ist ja normal. Und dieses Mal kann ich sie aufs Papier schieben ;o).
4. KURSTAG
Den Vormittag über habe ich noch das Einhornbild fertig gemalt. Dann habe ich mir nochmal die Lilien angeschaut. Gegenüber dem zartrosa Original sind meine doch auffallend pink. Also verwerfe ich mal die Idee von einem leichten lebendigen Pinselstrich und versuche die Farbe besser zu treffen. Getroffen habe ich sie, aber glücklich bin ich mit keinem meiner vier Lilienbilder.
Eine Kursteilnehmerin hat Physalis mitgebracht. An denen teste ich nochmal den leichten Pinselstrich. Diesmal funktioniert es (erstaunlicherweise) auch in etwa so, wie ich mir das vorgestellt hatte. :o)